Hammelburg
Ein Äthiopier gewinnt den Hammelburger Osterlauf

Mit Solomon Merne Eshete dominiert ein Ostafrikaner den Hammelburger Osterlauf vor Titelverteidiger und Lokalmatador Markus Unsleber. Der Asylbewerber gehörte zu den Top-Sportlern seines Landes.

Könner unter sich: Osterlauf-Sieger Solomon Merne Eshete und Markus Unsleber. Fotos: ssp


Das war neu für die Fans an der Strecke: ein Duell auf Augenhöhe für Markus Unsleber. Die vergangenen Jahre hatte der Lokalmatador den Osterlauf fast nach Belieben beherrscht. Diesmal gab es Konkurrenz für den Triathleten, der sich in diesem Jahr wieder für den Iron Man auf Hawaii qualifizieren will. Konkurrenz, die mehr ein Miteinander war. "Das war eine gute Sache. Man sieht, dass Solomon laufen kann. Großer Respekt."

Private Kontakte hatten zum Start des 30-jährigen Äthiopiers geführt. Weil mit Theodros Shiferaw ein Landsmann nicht nur an der Saale lebt, sondern auch Mitglied bei den ausrichtenden "Tausendfüßlern" ist. Mit-Organisator Jörg Jaedicke hatte schließlich die beiden Spitzen-Athleten zusammengeführt. Kurz vor dem Ziel hatte Solomon Merne Eshete zum entscheidenden Schlussspurt angesetzt. Der Langendorfer gönnte dem Kollegen den Sieg. "Der hätte sogar noch schneller laufen können." In seiner Heimat gehörte der Sohn eines Farmers zu der Lauf-Elite. Mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 1:00:22 Stunden. Zum Vergleich: Unlängst wurde Manuel Stöckert vom SC Ostheim in der Rhön Deutscher Halbmarathon-Meister in der Siegerzeit von 1:05:04 Stunden.
Aufgrund der schwierigen politischen Verhältnisse kam Solomon Merne Eshete als Asylbewerber nach Deutschland und lebt in der Nähe von Alzenau. Beim Würzburger Residenzlauf wurde er beim "Lauf der Asse" unlängst Neunter auf der 10-Kilometer-Strecke in 0:29:40 Stunden. Einen passenden Verein und gute Trainingspartner sind sportliche Wünsche des Ost-Afrikaners.

Die Marotte mit den Schuhen

Ausdauer hat auch Alex Morschhäuser. Und jede Menge gute Laune. "Das Wetter war prima", begründet der 49-Jährige lapidar seine Motivation, mit dem Fahrrad von Schweinfurt nach Hammelburg zu fahren und dann zehn Kilometer zu laufen. Mit Lauf-Schuhen, die nach einer "Spezial-Behandlung" ein bisschen wie Sandalen ausschauen. "Ich laufe nur noch in gebrauchten Schuhen, die ich vorne abschneide", sagt der gebürtige Frankenbrunner. Aktuell trägt der frühere Hobby-Kicker die Treter von einem Kumpel aus Retzbach auf. "Je gedämpfter die modernen Schuhe sind, desto verletzungsanfälliger werden die Menschen", sagt Alex Morschhäuser, der irgendwann einmal einen Marathon barfuß laufen will. "Ich mag Natural Running" sagt der Sportler vom TV Bad Brückenau, der sich hatte inspieren lassen vom Buch "Born to Run." Ein Buch über das mexikanische Volk der Tarahumara, für die das Laufen über lange Strecken so selbstverständlich wie atmen ist.

Stammgast an der Saale ist auch Sebastiano Ilardi, der den Ostermontag gerne für die Tausendfüßler reserviert. "Wenn ein Verein in der Umgebung so ein Angebot macht, kommt man auch. Spaß hat man doch immer", sagt der 56-Jährige aus Überzeugung. Der Rechtenbacher, unlängst Halbmarathon-Sieger in Ramsthal, mag sich ein Leben ohne Sport nicht vorstellen. "Laufen ist wie frühstücken. Das gehört zum Tag einfach dazu. Die Bewegung an der frischen Luft macht mich ausgeglichener." Aktuell bereitet sich der Angestellte bei Bosch-Rexroth auf den Dreiflüsse-Triathlon Ende Mai in Gemünden vor, weshalb der in Deutschland geborene Sohn eines Italieners ebenfalls auf dem Rad nach Hammelburg gekommen war.

Ihren Bewegungs-Drang ausleben durften auch viele Kindergarten-Kinder, die die 500 Meter im Stadionbereich gemeinsam mit dem Osterhasen (Heidrun Hirt) zurücklegten. Einmal mehr hatte der Kindergarten in Langendorf die meisten Teilnehmer gestellt. Für Schüler und Jugendliche war zudem eine Kurz-Strecke über 1,65 Kilometer im Angebot. Wem der Hauptlauf zu lang war, hatte mit den 5,6 Kilometern eine Alternative. Auch an die Nordic-Walker wurde gedacht.

247 machen mit

Mit dem Zuspruch durften die Hammelburger Tausendfüßler mehr als zufrieden sein. "200 Teilnehmer erhoffen wir uns immer. Gekommen waren insgesamt 247", sagt Sieglinde Roider. Die passionierte Läuferin hatte bei der fünften Auflage wieder keine Zeit, um sich selbst auf die Strecke zu machen, weil die Leiterin des Lauf-Treffs einmal mehr in der Organisation eingebunden war. Wie viele andere Helfer. Sei es an der Strecke, bei der Zeitnahme, Startnummern-Ausgabe oder in der Küche. Unterstützt wurden die Veranstalter von der Jugend-Feuerwehr Fuchsstadt sowie den Feuerwehren in Westheim und Hammelburg. Die medizinische Versorgung garantierte das Rote Kreuz. Erste Vorbereitungen hatten nach Weihnachten begonnen.

10 km Männer 1. Solomon Merne Eshete (Alzenau/Tausendfüßler/M-30) 0:33:37; 2. Markus Unsleber (TV/DJK Hammelburg/M-35) 0:33:49; 3. Carsten Schmidt (LG Haßberge/M-45) 0:35:17; 4. Marco Haas (ohne Verein/M-30) 0:35:33; 5. Stefan Kaiser (ohne Verein/M-40) 0:36:47; 6. Fabian Schüss (LG Lohr-Rechtenbach/U-20) 0:36:52; 7. Peter Landwehr (TG Kitzingen/M-30) 0:37:01; 8. Markus Reuter (TV/DJK Hammelburg/M-30) 0:37:36; 9. Thomas Kaminski (TV/DJK Hammelburg/M-45) 0:37:59; 10. Sebastiano Ilardi (LG Lohr-Rechtenbach/M-55) 0:38:15.

10 km Frauen 1. Eva Baunach (DJK Schweinfurt/W-35) 0:40:57; 2. Victoria McParland (ohne Verein/W-35) 0:41:40; 3. Tanja Dietrich (TSV Hollstadt/W-40) 0:42:16; 4. Anja Erlach (SV Würzburg 05/W-30) 0:42:29; 5. Verena Ibel (RV Viktoria Wombach/Frauen) 0:42,40; 6. Johanna Mayer (RV Viktoria Wombach/Frauen) 0:43:54; 7. Michaela Ruser (Gartenweg Runners/W-30) 0:47:05; 8. Eva Nowak (ESV Gemünden/Frauen) 0:49:18; 9. Andrea Dittmeier (Deutsche Post/W-45) 0:53:09; 10. Ingeborg Joa (TV/DJK Hammelburg/W-50) 0:53:12.

5,6 km Männer 1. Rene Amtmann (TSV Thüngersheim/Männer) 0:20:26; 2. Kai Estenfelder (ESV Gemünden/U-14) 0:24:02; 3. Dominik Herteux (LG Lohr-Rechtenbach/U-18) 0:24:45; 4. Steven Brodführer (SC Ostheim/U-20) 0:24:59; 5. Christoph Gerlach (ohne Verein/U-16) 0:26:22.

5,6 km Frauen 1. Janina Seyler (Team LehrLauf/Frauen) 0:25:16; 2. Kerstin Anderson (Schäffler Team/Frauen) 0:29:10; 3. Anna Lukaschewitsch (TV/DJK Hammelburg/U-14) 0:29:42; 4. Martina Fischer (DJK Schwebenried/Frauen) 0:30:18; 5. Martina Simnacher (fourrunners/Frauen) 0:30:22.

Alle Ergebnisse finden sich im Internet unter http://www.lauftreff-tausendfuessler.de oder unter http://my4.raceresult.com.
"Wir möchten uns bei allen Teilnehmern bedanken. Wir sind ja alle eine große Lauf-Familie", sagt Sieglinde Roider. Und erwähnt, dass der Oster-Lauf in dieser Form womöglich nicht mehr stattfindet. "Wir sind am Überlegen", sagt Sieglinde Roider. Mehr verraten wird nicht.

Jürgen Schmitt