Triathlon:
Markus Unsleber hat den Virus im Blut

Der Wülfershäuser startet im Oktober zum vierten Mal beim Ironman auf Hawaii

Voll konzentriert auf dem Weg nach Hawaii: Markus Unsleber aus Wülfershausen bei Schweinfurt startet im Oktober zum vierten Mal bei der Ironman-Triathlon-Weltmeisterschaft.

Sieben Wochen sind es noch bis zum Saisonhöhepunkt. Sieben Wochen muss Markus Unsleber warten, bis er sich mit mehreren tausend Triathleten aus der ganzen Welt in den Pazifik stürzt, um 3,8 Kilometer zu schwimmen. Hinterher geht es auf dem Fahrrad 180 Kilometer durch die hawaiianische Lavalandschaft, um dann noch einen Marathon dran zu hängen. Und das bei über 40 Grad Celsius und den berüchtigten Mumuku-Winden. Trotzdem: So langsam steigt die Vorfreude, aber auch der Respekt bei Unterfrankens besten Triathleten. „Im Wasser“, erzählt der 38-Jährige nach den Erfahrungen seiner drei Rennen in Hawaii bisher, „ist es das Extremste, so etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Man muss extrem hart anschwimmen.“

Zum Glück ist Unsleber in Top-Form, die er auch in den USA zeigen will. In Zürich qualifizierte er sich kürzlich erneut für die WM und das in 9:03 Stunden, eine sehr gute Zeit für einen Amateur. Der Hawaii-Rekord von Craig Alexander steht bei 8:03,56 Stunden. Und der Mann hat täglich mehrere Stunden Zeit zu trainieren, während der gebürtige Langendorfer, der erst 2006 vom Triathlon-Virus gepackt wurde, einen 40-Stunden-Job in der Werkzeugvorbereitung bei Kugelfischer in Schweinfurt hat. „Ja, es gibt Tage, da denke ich mir, warum bin ich nicht auf der Couch“, erzählt der sympathische Sportler – seine Lebensgefährtin Diana dürfte sich das auch schon das eine oder andere Mal gedacht haben. „Aber sie unterstützt mich, wo es nur geht, ist in Hawaii als moralische Hilfe dabei“, erzählt er. Bis zu 30 Stunden pro Woche trainiert Unsleber – alle Disziplinen. Drei bis vier Mal geht es ins Wasser, bis zu zwölf Kilometer Schwimmtraining, dazu zwischen 50 und 70 Kilometer per pedes und knapp 350 Kilometer auf dem Fahrrad – alles pro Woche und neben der Arbeit. „Gerade nach Zürich habe ich gemerkt, dass der Körper müde ist, da muss man aufpassen, darf nicht überdrehen“, so Unsleber. Wie schlimm es sein kann, wegen Verletzungen auszufallen, hat er vor gut zehn Jahren am eigenen Leib erfahren. Als Fußballer in Langendorf verletzte er sich am Knie, hatte unter anderem ein gerissenes Kreuzband. Nach der Operation war erstmal nicht ans Laufen zu denken, auch kein Radfahren. So kam er zum Schwimmen, dann zum Triathlon und „das war dann ab 2006 die nächste Herausforderung.“ Mit beeindruckender Disziplin und Trainingshärte arbeitete sich Unsleber nach oben, wurde einer der besten unterfränkischen Triathleten mit mittlerweile sieben erfolgreich absolvierten Ironman-Wettbewerben. Außerdem startet er noch für den SV 05 Würzburg in der 2. Triathlon-Bundesliga, am Wochenende steht in Konstanz schon wieder ein Sprint-Rennen an. Auch in der Laufszene in der Region ist er immer wieder am Start, baut die Läufe in seinen Trainingsplan mit ein. Ein typisches Unsleber-Wochenende kann man Mitte September in der Nähe von Fulda beobachten: Da fährt er von Wülfershausen mit seinem Rennrad hin, macht dann einen 10-Kilometer-Lauf im Rahmen des Rhön-Super-Cups mit – das er wahrscheinlich locker gewinnt – und fährt dann mit dem Fahrrad wieder heim.

Wenn man weiß, dass man dieses Hobby auch noch weitgehend aus eigener Tasche finanzieren muss, kann man sicher sein, dass es sich hier um einen ganz besonderen Athleten handeln muss. „Ich bin froh über meine verschiedenen Materialsponsoren und die Firmen, die mich unterstützen. Aber natürlich wäre der eine oder andere Sponsor noch schön“, erklärt Unsleber, der alleine für zwei Wochen Hawaii im Oktober inklusive Startgebühren rund 5000 Euro investieren muss.

Ob es sein letzter Start im Urlaubsparadies sein wird, ist noch offen. Aber nicht unwahrscheinlich. Denn Markus Unsleber ist nicht nur enorm ehrgeizig und trainingsfleißig, er ist auch ein kritischer Geist in der Szene. Und die Entwicklung bei manchen Veranstaltungen in der Boomsportart Triathlon gefällt ihm gar nicht. „Ich werde versuchen, ein wenig mehr Abstand von Ironman-Veranstaltungen zu bekommen. Aus meiner Sicht stimmt bei vielen Veranstaltungen das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr.“ Doch seine Laufschuhe an den Nagel hängen wird er ganz sicher nicht, „ich brauche immer irgendwas mit Bewegung.“ Ein Auge hat er schon auf verschiedene kleine Langdistanzen in den Alpen geworfen. Familiäre Veranstaltungen, bei denen der Athlet noch im Mittelpunkt steht.